Vier Stunden Leipziger Buchmesse haben gereicht, um meine Liebe zu Büchern und gleichzeitig meine Abneigung gegen Menschenmassen zu bestätigen.
Als frisch gebackener Autor wollte ich mir die Leipziger Buchmesse natürlich nicht entgehen lassen. Zwar hatte es nicht geklappt, meine Autobiografie über BoD am Stand zu präsentieren, aber im Nachhinein glaube ich ohnehin nicht, dass das meinem Buch nennenswert mehr Aufmerksamkeit gebracht hätte. Der Stand war eher klein, ebenso das ausgestellte Sortiment.
Ich liebe es, in Buchhandlungen zu stöbern, und habe schon immer mehr Bücher gekauft, als ich lesen konnte. Manche davon blieben tatsächlich ungelesen. Seit ich im Ruhestand bin, hat das Lesen für mich aber noch einmal eine ganz neue Bedeutung bekommen. Inzwischen ist es mein Hobby Nummer eins, noch vor meinen sportlichen Aktivitäten.
Trotzdem hielt sich meine Vorfreude auf die Buchmesse zunächst in Grenzen. Ich mag Massenveranstaltungen immer weniger, und auch lange Autofahrten nerven mich zunehmend. Genau deshalb entschied ich mich bewusst für Donnerstag, den ersten Messetag, in der Hoffnung, dass es dann noch etwas ruhiger sein und ich vom vom Wochenendverkehr verschont bleiben würde.
Und diese Entscheidung war genau richtig. Die Hinfahrt verlief völlig entspannt, ohne Stau und trotz Baustellen nicht einmal zäh fließender Verkehr. Auch vor Ort lief alles reibungslos. Das Navi führte mich direkt zu einem freien Parkplatz, der Weg zum Eingang war kurz, und ohne Wartezeit stand ich um 12 Uhr in Halle 4. Die Hallen waren zwar gut gefüllt, aber noch erträglich. Als ich am nächsten Tag die Bilder von den endlosen Schlangen und übervollen Hallen sah, war ich froh, nicht erst am Freitag oder am Wochenende gefahren zu sein.
Zunächst wollte ich eine Autorin besuchen, von der ich bereits zwei Schreibratgeber gelesen habe. Ich hatte gehofft, ihr kurz persönlich Feedback geben zu können. Daraus wurde allerdings nichts, denn ihr Stand war ständig umlagert. Also schlenderte ich stattdessen durch die vielen Reihen der Verlags- und Autorenstände.
Besonders angenehm waren für mich die kleineren Stände. Dort ergaben sich immer wieder nette Gespräche, und zweimal ließ ich mich auf diese Weise zum Buchkauf verführen. Gerade diese Begegnungen machten den Reiz des Tages aus.

Nach etwa zwei Stunden merkte ich allerdings, dass mich die Menschenmenge und die Geräuschkulisse zunehmend anstrengten. Nach einer kurzen Pause mit Kaffee und einem kleinen Snack tauchte ich noch einmal in das Messetreiben ein. Beeindruckt hat mich vor allem die unglaubliche Zahl an Verlagen und Büchern. Gleichzeitig fragte ich mich immer wieder, wer all diese Bücher eigentlich liest, denn in meinem eigenen Umfeld sind echte Leseratten die absolute Ausnahme, manche haben außer in der Schule noch kein einziges Buch gelesen. Für mich unvorstellbar.
Nach vier Stunden hatte ich schließlich genug gesehen. Mein Rucksack war mit vier neu gekauften Büchern und einem Buchgeschenk gut gefüllt, und ich hatte das Gefühl, für diesen Tag genau die richtige Dosis Messe erlebt zu haben.
Trotz meiner wachsenden Abneigung gegen große Menschenmengen kann ich die Leipziger Buchmesse allen empfehlen, die Bücher lieben. Für Literaturbegeisterte ist sie ohne Frage ein Erlebnis. Für mich persönlich war es allerdings wahrscheinlich das erste und letzte Mal.
Ein besonderes Highlight meines Kurztrips war meine Unterkunft in Wiedemar, die ich über Airbnb gebucht hatte. Gastgeberin „Sabine“ bezeichnet sich in ihrem Profil als begeisterte Leserin von Science-Fiction- und Fantasyromanen, die sich gern mit ihren Gästen unterhält. Genau so war es auch. In ihrem urigen, gemütlichen Haus standen überall Bücher, sogar im Bad. In meinem Zimmer bestand eine ganze Wand aus einem Bücherregal.

Schon nach meiner Ankunft und am nächsten Morgen beim Frühstück ergaben sich wunderbare Gespräche. Sabine konnte so lebendig erzählen, dass ich ihr noch deutlich länger hätte zuhören können. Sie brachte mir ein wenig die Welt der Fantasy näher und empfahl mir zum Reinschnuppern den ersten Band der Azuhr-Trilogie von Bernhard Hennen: „Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte“. Der Roman spielt in einer Welt, in der es eigentlich keine Magie mehr gibt. Nur die Erzpriester der Insel Cilia kennen eine alte Prophezeiung, nach der der „Schwarze Mond“ ein neues magisches Zeitalter einleiten wird. Im Mittelpunkt steht der junge Milan Tormeno, der eigentlich für das Priesteramt bestimmt ist, sich aber nach Freiheit und Selbstbestimmung sehnt. (S. Fischer Verlage)

Bernhard Hennen ist Jahrgang 1966, Germanist, Archäologe und Historiker. Er arbeitete als Journalist für verschiedene Zeitungen und Radiosender, bereiste unter anderem Zentralamerika, den Orient und Asien und gehört seit seinem Roman „Die Elfen“ zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Fantasy-Autoren. Vielleicht erklärt das auch, warum mich schon die ersten dreißig Seiten so neugierig gemacht haben. Ich war jedenfalls überrascht, wie gut mir Stil und Handlung gefielen. Da ich genreoffen bin und gern Neues ausprobiere, habe ich mir den ersten Band inzwischen bereits bestellt. Bin gespannt, ob mich das Buch wirklich fesseln und mich auf weitere Fantasy Romane neugierig machen wird. Allerdings vergeude ich keine Zeit mehr mit Büchern, die mir nicht gefallen. Wenn auch nach hundert Seiten noch kein Funke übergesprungen ist, wandert das Buch in die Geschenkebox von Annettes Lädchen.
Auch die Rückfahrt verlief völlig entspannt. Nach nur dreieinhalb Stunden war ich wieder zu Hause. So blieb von diesem Kurztrip nicht nur die Erinnerung an viele interessante Eindrücke von der Messe, sondern auch die Inspiration durch Sabine, mit Fantasy ein Genre auszuprobieren, das für mich bislang weitgehend fremd war. Gut, ein paar Seiten Harry Potter habe ich zwar irgendwann einmal gelesen, an weitere Fantasyromane kann ich mich allerdings nicht erinnern.
Diese Bücher habe ich von der Messe mitgebracht
Taylor’s Version – Das poetische und musikalische Genie von Taylor Swift von Stephanie Burt
Dieses Buch ist offenbar weit mehr als eine klassische Musikerbiografie. Stephanie Burt, Anglistik-Professorin und bekennender Swiftie, betrachtet Taylor Swift nicht nur als Popstar, sondern als Künstlerin, deren Texte sich auch literarisch ernst nehmen lassen. Sie spannt den Bogen von Swifts Anfängen im Country bis zur Eras Tour und verbindet biografische Stationen mit einer genauen Analyse der Songtexte. (chbeck.de)

Lexikon der kriminellen Kannibalen von Janis Weißheit (persönlich kennengelernt und Buch signieren lassen)
Schon der Titel ist nichts für zarte Gemüter. Das Buch versteht sich als historisch ausgerichtetes Lexikon über kriminelle Kannibalen und ordnet diese Fälle in die Geschichte menschlicher Abgründe ein. Laut Verlag reicht der Blick vom späten Mittelalter bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts; hinzu kommt ein Vorwort von Mark Benecke. Gerade diese lexikalische Form dürfte dafür sorgen, dass man nicht nur einen einzelnen Fall liest, sondern einen breiteren Überblick über ein ebenso verstörendes wie faszinierendes Thema bekommt. (verlag-kirchschlager.de)

Sörensen geht aufs Haus von Sven Stricker
Der neue Sörensen-Roman ist bereits der sechste Band der Reihe und wird vom Verlag als bisher persönlichster Fall beschrieben. Sörensen wird von seiner Vergangenheit eingeholt und muss sich zugleich mit Veränderungen in der Gegenwart auseinandersetzen. Wer die Reihe kennt, weiß, dass Sven Stricker Kriminalhandlung, trockenen Humor und schräge Figuren sehr gekonnt miteinander verbindet. Genau diese Mischung dürfte auch diesen Band wieder auszeichnen. (Rowohlt Verlag)

Corvus Albus von Jan Juhani Steinmann
Dieser Roman klang für mich schon auf den ersten Blick ungewöhnlich. Er erzählt die vermeintlich unmögliche Begegnung zwischen Friedrich Nietzsche und Søren Kierkegaard, der hier entgegen den historischen Überlieferungen nicht 1855 gestorben ist. Daraus entsteht offenbar ein literarisches Gedankenspiel zwischen Philosophie, Fiktion und Geheimnis, in dem auch ein weißer Rabe eine wichtige Rolle spielt. Das wirkt originell, eigenwillig und angenehm fern vom Gewöhnlichen. (Thalia)

Totmacher 4 – Die Kobra von Henan und andere unheimliche Kriminalfälle asiatischer Serienmörder (1906–2012) von Gerd Frank
Dieses Buch war gewissermaßen die Zugabe zu meinem Kauf des Kannibalen-Lexikons. Es versammelt reale Kriminalfälle asiatischer Serienmörder aus verschiedenen Ländern und Jahrzehnten. Schon der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt, dass hier sehr unterschiedliche und teilweise ausgesprochen düstere Fälle zusammengetragen wurden. Das Buch scheint also weniger ein durchgehender Erzähltext als vielmehr eine Sammlung dokumentierter Verbrechen zu sein, die historische Distanz mit beklemmender Unmittelbarkeit verbindet. (Ex Libris)

Neben den ungelesen Büchern in meinem Regal, habe ich für die nächsten Wochen erst einmal wieder reichlich Lesestoff!
Michael aka Imi