„Olympische Distanz, Mitteldistanz, Ironman-Debüt – alles innerhalb eines Jahres. Euphorie, Stolz und am Ende ein DNF: So startete meine Reise als Triathlet.“
Der Impuls und ein glücklicher Zufall
Nach meinem ersten Marathon in Freiburg war für mich klar: Das war nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Beim nächsten Nachbarschaftsabend stellte mir Thomas die Frage: „Und, was kommt als Nächstes? Triathlon vielleicht?“
Er sprach mir aus der Seele. Ein Marathon allein reichte mir nicht – ich suchte nach der nächsten großen Herausforderung.
Für Triathlon fehlte mir allerdings das nötige Equipment. Doch wie so oft im Leben half der Zufall: In der Firma gewann ich einen Award für die beste Idee zur Kosteneinsparung – inklusive Geldprämie. Davon kaufte ich mir ein schwarz-gelbes Cube Peloton Race, ein klassisches Rennrad, das ich mit Triathlon-Aufsatz umbaute, und dazu einen Neoprenanzug fürs Schwimmen.

Die ersten Trainingswochen waren ernüchternd. Auf dem Rennrad fühlte ich mich unsicher, zu agil war das neue Cube. Noch schlimmer lief es im Schwimmbad: Nach 25 Metern Kraul bekam ich Schnappatmung und musste aufgeben. Ich war schockiert. Wie sollte ich jemals 1,5 Kilometer am Stück schwimmen – geschweige denn 3,8 beim Ironman?
Aber Aufgeben war keine Option. Ich verschlang Bücher, machte Trockenübungen, nahm Schwimmunterricht – und plötzlich platzte der Knoten. Erst 500 Meter, dann 1000, schließlich 1500. Ich war bereit für meinen ersten Triathlon.
Olympische Distanz Rodgau 2012
Die letzten Nächte vor dem Wettkampf träumte ich vom Start. So nervös war ich. Am Vortag reiste ich mit meiner Frau und Hund Cosmo an, wir schlenderten über das Gelände – die Vorfreude stieg.
Der Morgen des Rennens begann früh. Um 5 Uhr war ich schon wach, pünktlich der erste Athlet bei der Startnummernausgabe. Kein Stress, alles lief perfekt. Neopren war erlaubt – 21,3 °C Wassertemperatur.
Beim Start stellte ich mich ganz hinten ins Feld. Erst mal ankommen, das war das Ziel. Doch im Wasser geschah das Unerwartete: Ich fand sofort meinen Rhythmus, überholte viele, schwamm kontrolliert und ruhig. Mit 25:39 Minuten für 1,4 km war ich weit besser, als ich je erträumt hätte.

Der Wechsel aufs Rad klappte problemlos. Zunächst fuhr ich defensiv, dann mit Rückenwind zeitweise über 40 km/h. Die Strecke lag mir, und ich spürte, dass ich noch Reserven hatte. Nach 42 km stieg ich mit einem Schnitt von fast 35 km/h ab.

Auch der zweite Wechsel lief reibungslos – bis auf eine kurze Orientierungslosigkeit beim Suchen des Laufschilds. Doch die Beine waren erstaunlich frisch. Ich lief die 10 km in 46:30 Minuten – neue persönliche Bestzeit.

Nach 2:29:35 Stunden überquerte ich überglücklich die Ziellinie.
Mein erstes Triathlon-Rennen, ein perfektes Debüt, ein neuer Funke. Ich wusste: Das war nur der Anfang.
Platz 6 AK50 (Platz 112 Gesamt von 370)
Mitteldistanz Hannover 2013 – mein erster „Halber“ Ironman
Der nächste logische Schritt: eine Mitteldistanz. Der Wasserstadt-Triathlon in Hannover bot alles, was ich suchte. Ein Wettkampf mit flacher Radstrecke, guten Schwimmbedingungen, aber nicht so überlaufen wie die großen Klassiker.
Mit Familie und Hund Cosmo reisten wir gemeinsam an. Die familiäre Atmosphäre vor Ort gefiel mir sofort.
Das Schwimmen im Kanal war hart, aber zum Glück war der Neo erlaubt. Schon nach den ersten 200 Metern merkte ich, wie kalt das Wasser war. Meine Hände und Füße wurden taub, ich fühlte mich schwerfällig. Trotzdem zog ich durch, blieb ruhig, fand irgendwann meinen Rhythmus und kam nach 42 Minuten aus dem Wasser – besser als erwartet.


Auf dem Rad lief es deutlich runder. 90 Kilometer über eine flache, aber windanfällige Strecke. Ich fuhr gleichmäßig, ließ mich nicht von schnelleren Athleten mitreißen, sondern hielt meinen Plan. Der Schnitt passte: knapp über 31 km/h.

Beim Laufen ging ich mutig an. Die ersten 10 Kilometer spulte ich locker herunter, doch ab Kilometer 12 wurde es zäh. Ich kämpfte, Schritt für Schritt. Am Ende waren es 1:46 h für den Halbmarathon.

Im Ziel stand eine Gesamtzeit von 5:34 Stunden – ein Ergebnis, das mich stolz machte. Ich wusste jetzt, dass der Ironman zwar deutlich herausfordernder, aber nicht unmöglich war.
Langdistanz-Debüt Köln 2013 – und die große Ernüchterung
Voller Zuversicht meldete ich mich für die Langdistanz in Köln an. 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad, 42,2 km Laufen – das große Ziel.
Der große Tag war gekommen: mein erster Start über die volle Ironman-Distanz. Am Fühlinger See angekommen, war ich zunächst erleichtert – mein Kumpel Rosti war extra früh zum Schwimmstart gekommen, um mich zu unterstützen. Ein kurzer Zuruf, ein Händedruck, dann ging es ins Wasser. Die Schwimmstrecke lief solide, wenn auch etwas langsamer als erhofft. Nach 1:19 Stunden stieg ich aus dem See, zufrieden, dass die erste Hürde geschafft war.

(Foto: mein Kumpel „Rosti“ wünscht mir alles Gute vorm Schwimmstart)

Auf dem Rad lief zunächst alles wie geplant. Ich fand meinen Rhythmus, verpflegte mich streng nach Plan und konnte das Tempo gut halten. Die Kölner Strecke war flach, aber windanfällig, und immer wieder gab es kleine Dramen: Baustellen, Schlaglöcher, sogar ein pöbelnder Mitfahrer, der mir den Windschatten strittig machte. Doch all das brachte mich nicht aus der Ruhe – nach knapp fünfeinhalb Stunden war die Radstrecke abgehakt.

Dann kam der Marathon. Und mit ihm der Einbruch. Schon nach wenigen Kilometern rebellierte mein Magen. Krämpfe in der Bauchgegend zwangen mich zu Gehpassen, Verzweiflung machte sich breit. Ich warf den Trinkgurt weg, suchte panisch nach einem Dixiklo – doch dort blieb der ersehnte Befreiungseffekt aus, und die Krämpfe hielten weiter an. Nach nur 5 Kilometern musste ich mir eingestehen: heute geht nichts mehr.

Ein Streckenposten holte den Sanitätsdienst, im Krankenwagen wurde ich durchgecheckt: Herz, Blutdruck in Ordnung, nur der Blutzucker auffällig niedrig. Krankenhaus lehnt ich ab, doch der Marathon war vorbei. Ich stieg wieder aus, ging die letzten Meter zurück über die Hohenzollernbrücke – nicht jubelnd, sondern niedergeschlagen. Passanten riefen mir spöttische Kommentare zu, dass ich wohl „keine Lust mehr hätte“. In diesem Moment traf es mich wie ein Schlag – doch ich wusste: sie hatten keine Ahnung, was wirklich in mir vorging.
Am Ende blieb nur das offizielle Abmelden beim Kampfrichter. Meine Frau, mein Bruder und meine Schwägerin fingen mich in der Wechselzone auf und trösteten mich. Ich hatte mein Langdistanz-Debüt nicht gefinisht. Ein DNF – drei Buchstaben, die wie eine Niederlage wirken, aber auch eine Lehre waren: dass Selbstüberschätzung, Pech und körperliche Reaktionen manchmal stärker sind als aller Wille.

Rückblickend sehe ich diesen Tag als notwendige Erfahrung. Ich war zu sicher, dass ich es schaffen würde – der Ironman als reine Frage der Zeit. Köln zeigte mir die andere Seite des Sports: dass nichts selbstverständlich ist, und dass ein Scheitern auch ein Anfang sein kann.
Trotz des DNF brannte das Feuer stärker als je zuvor. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich es konnte. 2014 meldete ich mich erneut für die Langdistanz an – diesmal mit noch mehr Erfahrung, Vorbereitung und Demut.
🏃♂️ Michael aka Imi
Leidenschaftlicher Läufer, Radfahrer und Kraftsportler aus Frankenberg an der Eder.
Immer auf der Suche nach neuen sportlichen Herausforderungen – und mit Freude dabei, Erinnerungen zu bewahren und zu teilen.
📌 Serie „Meine sportliche Vita“ – Dieser Beitrag ist Teil einer fortlaufenden Rückblickreihe.
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