Nach meiner erfolgreichen Zeit im Figurbodybuilding merkte ich, dass mir etwas fehlte. Körperlich war ich in Topform, aber im zweiten Wettkampfjahr stand ich als einziger Athlet meiner Altersklasse auf der Bühne und wurde konkurrenzlos Deutscher Meister. Das fühlte sich nicht mehr wie ein echter Wettkampf an. Es fehlte der Reiz, die Spannung – die Herausforderung.
In meinem Alltag hatte sich viel verändert. Meine Frau und ich erfüllten uns 2009 einen lange gehegten Wunsch: unseren ersten eigenen Hund. Cosmo, ein Rhodesian Ridgeback, wurde schnell Teil der Familie. Wir warteten bewusst, bis unsere Kinder größer waren, und nun war der Zeitpunkt perfekt. Mit ihm entdeckte ich die Freude an langen Spaziergängen und Wanderungen neu. Als Cosmo älter wurde, begleitete er mich auch bei ersten Läufen.

Der Weg nach Freiburg
Laufen hatte ich nie ganz aufgegeben, aber nun wollte ich es ernsthaft angehen. Radikal sogar: Ein Marathon sollte es sein – einfach so, ohne jahrelange Wettkampferfahrung. Im Herbst 2011 meldete ich mich für den Freiburg-Marathon im April 2012 an. Sechs Monate Zeit zur Vorbereitung – nicht mehr, nicht weniger.
Ich kaufte mir das Marathonbuch von Hubert Beck, meine erste Garmin-Pulsuhr (Forerunner 205) – und legte los. Mein Selbstvertrauen war groß, vielleicht sogar zu groß.

(Foto: © copyright Garmin)
Aber die Fortschritte kamen schnell:
- 10 km Wettkampf (Winter 2011): 50 Minuten
- Halbmarathon (Januar 2012): 1:42 Stunden
Ich merkte: Die Basis stimmt. Aber ich spürte auch, dass 42,2 km eine andere Liga werden würden.
Zwischen Euphorie und Zweifel
Besonders die langen Läufe über 30–35 km waren eine echte Prüfung – körperlich und mental. Manchmal fragte ich mich: Ist das nicht doch eine Nummer zu groß für mich?
Zwei Monate vor dem Marathon kam ein Rückschlag: Knieprobleme. Ich probierte alles – Salben, neue Laufschuhe, Physiotherapie – aber nichts half dauerhaft. Erst kurz vor dem Rennen verschwanden die Schmerzen wie von selbst.
Der große Tag in Freiburg
Gemeinsam mit meiner Frau reiste ich nach Freiburg. Die Stimmung war fantastisch: An der Strecke spielten über 40 Bands, Zuschauer klatschten, riefen, feuerten an. Und meine Frau stand an vielen Punkten, jubelte und motivierte mich – das gab mir zusätzliche Energie.
Ich lief von Anfang an gleichmäßig, genau so, wie ich es mir vorgenommen hatte. Der Freiburg-Marathon wird parallel zum Halbmarathon ausgetragen, die Strecke ist identisch – nur laufen die Marathonis zwei Runden. Nach der ersten Runde wurde es einsam: Viele Halbmarathonis waren schon im Ziel, die Strecke wirkte leer. Jetzt war mentale Stärke gefragt.

(Foto: rechts, ich auf der Strecke)
Kilometer für Kilometer spulte ich gleichmäßig ab. Den berüchtigten „Mann mit dem Hammer“ erlebte ich nicht – dafür hatte das Training zu gut vorbereitet.
Der Zieleinlauf
Nach 3:47:58 Stunden überquerte ich die Ziellinie – nur knapp zwei Minuten langsamer als geplant. Ich war erschöpft, aber überglücklich: Mein erstes großes Laufziel war erreicht. Mit knapp 50 Jahren meinen ersten Marathon zu finishen, fühlte sich wie ein echter Meilenstein an.
(Video: Zieleinlauf beim Freiburg Marathon 2012)
Leider meldeten sich die Knieschmerzen bald zurück. Mein Physiotherapeut erkannte den Grund: Ich lief konsequent über die Ferse. Mit gezieltem Techniktraining stellte ich auf Mittelfußlauf um – und die Probleme verschwanden.
Ausblick
Der Marathon war mein Einstieg in den Ausdauersport. Doch lange hielt das Gefühl des „Angekommenseins“ nicht an.
Einige Wochen später, wieder einmal bei einem gemütlichen Abend mit unseren Nachbarn Carmen und Thomas, kam die entscheidende Frage: „Und was kommt als Nächstes? Triathlon wäre doch was für dich, oder?“
Genau dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los. Ein kleiner Sprinttriathlon hätte es auch getan – aber das war nicht mein Stil. Wenn schon, dann richtig: Ironman.
Doch bevor es soweit war, wartete im Sommer 2012 noch ein besonderes Abenteuer: eine Alpenüberquerung mit Cosmo.

(Foto: Alpenüberquerung 2012, vorn: Ich mit Cosmo)
🏃♂️ Michael aka Imi
Leidenschaftlicher Läufer, Radfahrer und Kraftsportler aus Frankenberg an der Eder.
Immer auf der Suche nach neuen sportlichen Herausforderungen – und mit Freude dabei, Erinnerungen zu bewahren und zu teilen.
📌 Serie „Meine sportliche Vita“ – Dieser Beitrag ist Teil einer fortlaufenden Rückblickreihe.
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