Entscheidung nach dem Frankfurt-Marathon: Biel, Paris-Brest-Paris oder Ötztaler?

Der Frankfurt-Marathon ist mein Ziel – und mein Sprungbrett. Dahinter warten drei große Abenteuer: 100 km Biel, Paris-Brest-Paris oder der Ötztaler. Welcher Weg es wird? Das entscheidet sich, wenn ich die Ziellinie in Frankfurt überquere.

Der Frankfurt-Marathon im Oktober wird für mich nicht nur das sportliche Highlight des Jahres – er wird auch zur entscheidenden Wegmarke für meine sportliche Zukunftsplanung. Nicht, weil ich danach die Laufschuhe an den Nagel hängen möchte, sondern weil dieser Tag darüber entscheidet, welches große Projekt mich in den nächsten Jahren antreiben wird.
Drei Optionen stehen im Raum:

  1. Der 100 km-Ultramarathon in Biel.
  2. Die Qualifikation und Teilnahme an Paris-Brest-Paris 2027.
  3. Der Ötztaler Radmarathon als „Rückkehr“ in die Welt der alpinen Radmarathons.

Mir ist wichtig zu betonen: Ich bin aktuell voll und ganz auf Frankfurt fokussiert. Es sind nur noch rund zehn Wochen bis dahin, und alles, was ich tue, ist auf dieses Ziel ausgerichtet. Aber genau deshalb möchte ich mir jetzt – rechtzeitig – über meine Optionen für die Zeit danach klar werden. So kann ich nach Frankfurt und einer kurzen Erholungspause direkt wieder mit frischem Ziel und neuer Motivation durchstarten.


Frankfurt als Weichensteller

Ich habe mir klare Kriterien gesetzt, um nach dem Marathon eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

  • Läuft Frankfurt souverän und ich bin topmotiviert, mehr als Marathon zu laufen, dann spricht vieles für Biel.
  • Läuft Frankfurt gut oder schlecht, aber ich habe keine Lust auf weitere Marathons, dann rückt entweder Paris-Brest-Paris oder der Ötztaler in den Vordergrund.

Biel wäre für mich ein Projekt, das direkt an die Marathonform anschließt – quasi „den Schwung mitnehmen“.
PBP hingegen verlangt eine langfristige, zweijährige Planung, weil es nur alle vier Jahre stattfindet.
Der Ötztaler ist jederzeit möglich (wenn man einen Startplatz bekommt), verlangt aber volle Konzentration auf eine alpine Radform.


Variante 1: 100 km Biel

Der 100 km-Lauf von Biel ist eine Legende. Ein Ultra, der mitten in der Nacht startet und einen bis zum Sonnenaufgang und darüber hinaus begleitet – durch Dörfer, über Felder, entlang von Flüssen. Für viele ist er der „Klassiker“ unter den Ultraläufen, berühmt für seine Atmosphäre und berüchtigt für die Distanz.

Für mich kommt Biel nur in Frage, wenn der Frankfurt-Marathon nicht nur gut, sondern souverän läuft – und ich danach wirklich Lust habe, mehr als Marathon zu laufen. Das wäre ein Projekt, das direkt an meine Marathonform anschließt und mir die Möglichkeit gäbe, meine Ausdauerfähigkeit auf ein ganz neues Level zu heben.

Allerdings ist Biel kein „mal eben dranhängen“-Projekt. Die Anforderungen sind hoch – sowohl an die körperliche Vorbereitung als auch an die mentale Härte.
Laut Laufreport.de gilt:

  • Sub 9 Stunden: Marathonzeit 3:00–3:15, 70–130 km pro Woche, verteilt auf 5–6 Trainingseinheiten.
  • Sub 11 Stunden: Marathonzeit 3:30–3:45, 50–100 km pro Woche, 4–5 Einheiten.
  • Sub 13 Stunden: Marathonzeit 4:00–4:30, 40–70 km pro Woche, 3–4 Einheiten.

Mit meiner aktuellen Zielzeit für Frankfurt läge ich realistisch im Bereich der Sub-11-Stunden-Kategorie – vorausgesetzt, ich ziehe das Laufpensum von mindestens 50–100 km pro Woche konsequent durch.

In früheren Marathonvorbereitungen hat sich gezeigt, dass ich dauerhaft nicht mehr als rund 80 km pro Woche vertrage, weil es sonst hier und da zwickt und Verletzungen vorprogrammiert sind. Ob das heute noch genauso ist, weiß ich nicht – einerseits habe ich im Ruhestand mehr Zeit zur Regeneration, andererseits bin ich seit meinem letzten Marathon auch 12 Jahre älter geworden.

Die Herausforderung ist nicht nur die Distanz, sondern auch der mentale Faktor: Nach 60, 70 oder 80 Kilometern fängt das Rennen erst richtig an. Der Kopf muss bereit sein, den Körper zu tragen, wenn die Beine nicht mehr wollen.

Biel hätte den Vorteil, dass ich den Schwung aus der Marathonvorbereitung direkt mitnehmen könnte. Der Nachteil: Ein erfolgreicher Start in Biel würde Paris-Brest-Paris realistisch auf 2031 verschieben – und ich müsste mich fragen, ob ich diese Verschiebung in Kauf nehmen will.


Variante 2: Paris-Brest-Paris 2027

Paris-Brest-Paris (PBP) ist für mich das Radsport-Äquivalent zu einem Ultra-Laufklassiker – nur eben deutlich seltener. Die nächste Austragung findet 2027 statt, danach erst wieder 2031.
Die Qualifikation erfordert eine Serie von Brevets über 200, 300, 400 und 600 Kilometer – und das gleich doppelt: einmal als Vorqualifikation in 2026, einmal zur eigentlichen Qualifikation in 2027.

Während meiner Brevet-Jahre habe ich hier bereits Lehrgeld gezahlt: Beim einzigen 600 km-Brevet musste ich nach 500 km aussteigen – nicht, weil ich körperlich am Ende war, sondern aus mentalen Gründen. Rückblickend weiß ich: Physisch hätte ich es schaffen können.
Für einen zweiten Versuch würde ich mir deshalb einen anderen Ansatz vornehmen – deutlich mehr Grundlagenkilometer, bessere mentale Vorbereitung und ein konsequentes Training über viele Monate hinweg.

Hinzu kommt: Sollte ich PBP erst 2031 anpeilen, wäre ich bei der Teilnahme bereits 69 Jahre alt. Ich hoffe zwar, meine Fitness noch viele Jahre aufrechtzuerhalten, aber bis dahin kann vieles passieren. Träume sollte man nicht zu weit in die Zukunft verschieben.

Mit PBP habe ich also noch eine Rechnung offen. Und ja – der Reiz ist groß. Tatsächlich ist er sogar größer als beim Ötztaler, wie ich es heute einschätze.


Variante 3: Ötztaler Radmarathon

Der Ötztaler Radmarathon ist einer der härtesten Eintages-Radmarathons der Welt – 227 Kilometer, über 5.500 Höhenmeter, vier Pässe. 2024 stand ich am Start – und scheiterte.
Nicht an der Strecke selbst, sondern an der Karenzzeit: Am zweiten Pass, dem Brenner, fiel ich 5 Minuten aus der Zeit und musste in den Besenwagen einsteigen. Realistisch betrachtet: Selbst wenn ich pünktlich den Brennerpass erreicht hätte, wäre ich entweder am Jaufenpass oder spätestens am Timmelsjoch aus der Zeit gefallen – so gut kann ich das einschätzen.

Die Ursache für das Scheitern war klar: zu wenig Grundlagenkilometer, zu wenig spezifisches Bergtraining, zu wenig Kilometer insgesamt in der Vorbereitung.
Ein zweiter Versuch würde deshalb völlig anders aussehen: professionelle Vorbereitung, gezieltes Bergtraining, eine solide Grundlagenausdauer und ein Trainingsplan, der mich genau auf diese Herausforderung ausrichtet.

Auch mit dem Ötztaler habe ich also noch eine Rechnung offen – und das macht ihn weiterhin reizvoll, auch wenn er nicht den gleichen „Jetzt-oder-nie“-Charakter wie Paris-Brest-Paris hat.


Meine persönliche Entscheidungslogik

Die Grundformel ist simpel, aber konsequent:

  1. Frankfurt top + Motivation hoch → Biel 2026.
  2. Keine Lust auf Ultra-Laufen → PBP 2027.
  3. Keine Lust auf Ultra-Laufen + PBP auf 2031 verschieben → Ötztaler.

Das klingt nüchtern, aber dahinter steckt viel Herzblut. Denn egal, wie ich mich entscheide – es wird wieder ein Projekt, das mich über Monate oder Jahre begleitet, fordert und begeistert.


Schlussgedanke

Ich weiß jetzt schon, dass der Zieleinlauf in Frankfurt nicht nur das Ende eines Rennens sein wird, sondern auch der Startschuss für mein nächstes großes Abenteuer. Ob das Abenteuer in Biel, zwischen Paris und Brest oder auf den Pässen des Ötztals beginnt, wird sich erst zeigen, wenn ich in Frankfurt die Ziellinie überquere – mit einem Lächeln, einer ehrlichen Selbsteinschätzung und einem klaren Blick nach vorn.

Michael aka Imi

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