GPX‑Statistik (DNF am Brennerpass)
- Distanz: 121,0 km
- Höhenmeter: 2.211 m
- Abstieg: 2.209 m
- Zeit: 5:51 h
- Ø‑Geschwindigkeit: 20,6 km/h
- Karte: Interaktive Strecke anzeigen
Aus der Traum am Brenner Pass – DNF Ötztaler Radmarathon 2024
Mein Traum vom Ötztaler-Finish hat sich leider nicht erfüllt. Bei der Kontrolle am Brennerpass habe ich die Karenzzeit um 5 Minuten überschritten, musste das Rennen beenden und in den Besenwagen (Bus) einsteigen. Hört sich knapp und tragisch an, war es aber nicht. Ich war erleichtert und mit meinen Kräften nahezu am Ende. Spätestens am nächsten Pass wäre ich sehr wahrscheinlich eingebrochen oder hätte dort die Karenzzeit überschritten.

Kein ausführlicher Rennbericht – nur das Fazit
Ich verzichte bewusst auf eine detaillierte Schilderung des Rennens und beschränke mich auf ein Fazit, um aus dem Scheitern zu lernen und sofort wieder nach vorn zu schauen.
Rückblickend muss ich konstatieren, dass ich mich selbst überschätzt habe – Punkt! Schon während der gesamten Vorbereitung hatte ich immer mal wieder Selbstzweifel, ob ich das schaffen kann. Mal mehr, mal weniger.
Aber nun hatte ich schon die ganze Welt verrückt gemacht, von einem Arbeitskollegen einen Startplatz überschreiben lassen und mir sogar ein neues Rennrad gekauft – mit Scheibenbremsen und elektronischer Schaltung (meine erste) – um für den Ötzi gerüstet zu sein. Und natürlich, weil ich mir hin und wieder gern ein neues Rad gönne und der Ötzi dafür ein guter Vorwand war.
Erste Pässe – erste Zweifel
Da ich bis dahin noch nie einen Alpenpass hochgeradelt war, wurde der Familienurlaub Anfang Juni in St. Leonhard verbracht. Dort bezwang ich das Timmelsjoch (bis zur Absperrung) und den Jaufenpass. Dennoch war ich zu diesem Zeitpunkt fast soweit, den Ötzi zu canceln, weil ich spürte: Für ein oder zwei Pässe reicht es, aber nicht für den ganzen Ötzi.
Doch so schnell werfe ich das Handtuch nicht. Also trainierte ich fleißig weiter und spürte auch Verbesserungen. Aber 6.000 km und 67.000 Hm in den 8 Monaten vor dem Ötzi waren offensichtlich zu wenig – zumal ich die zwei Jahre davor nahezu gar nicht geradelt bin und meine Jahresumfänge seit 2011 zwischen 5.000 und 9.000 km lagen.
Leistungsdiagnostik und Zwischenziele
Vielversprechend war meine Leistungsdiagnostik Anfang März: FTP ca. 3,0 W/kg, später geschätzt auf 3,2 W/kg. Der Doc lobte meine sehr gute Verfassung mit 62 Jahren, gab aber zu bedenken, dass ich noch ordentlich trainieren müsse, um den Ötzi zu schaffen. Vom Abnehmen riet er eher ab – maximal 2–3 kg. Am Start wog ich 77 kg (176 cm), also auch hier blieb ich hinter dem Plan zurück.
Im Mai fuhr ich den Rhönmarathon (255 km, 4.800 Hm). Bereits nach den ersten Anstiegen war klar: Das wird zu hart. Ich wechselte auf die 180 km mit 2.900 Hm, die ich zwar solide mit 20,3 km/h Schnitt finishte, aber die Karenzzeiten der langen Strecke hätte ich nicht geschafft.
Für die Rhön‑300 im August war ich ebenfalls angemeldet, doch nach den Urlaubszweifeln cancelte ich den Startplatz – aus Angst, dort zu scheitern und mir die Ötzi‑Motivation zu nehmen.
Die Selbstmotivation – und die Realität
Ich rechnete mir die Zahlen vom Ötzi, meine Leistungsdaten und Trainingswerte schön. Alle, denen ich von meinen Zweifeln erzählte, sagten: „Das schaffst du schon!“ – genau das, was ich hören wollte.
Nun ja, das Ergebnis kennt ihr: Es hat nicht gereicht. Trotzdem bin ich froh, mitgefahren zu sein, denn jetzt kann ich die Anforderungen viel besser einschätzen. So eine Erfahrung macht man nicht durch Training, Gespräche oder Rechnen.
Ausblick
Nach dem Ötzi dachte ich: „Nie wieder.“ Heute, ein paar Wochen später, sehe ich das schon anders. Vielleicht gibt es einen zweiten Versuch – zumal ich ab Dezember im Ruhestand viel Zeit haben werde.
Jetzt lasse ich das Ganze erstmal sacken, rolle ein paar Wochen unstrukturiert durchs Land – und dann werden neue Pläne geschmiedet.
Impressionen von der Strecke










Michael aka Imi