Megamarsch Frankfurt 2018 – 72 km zwischen Euphorie, Schmerzen und Erkenntnis

„Nach 3 Testläufen zwischen 50 und 60 km weiß ich jetzt: Meine Füße sind nicht für solche Distanzen gemacht.“
Das war das Fazit, das mir am Tag nach dem Frankfurter Megamarsch 2018 durch den Kopf ging – und es hat sich eingebrannt.

Der Start: Euphorie und Massenwanderung

Eschborn, Spätnachmittag. Rund 1.700 Wanderer stehen auf einer großen Wiese an der S-Bahn-Station, bereit für 100 km in maximal 24 Stunden. Unter ihnen mein Bruder und ich – beide hochmotiviert, mit kleinem Rucksack und Wanderschuhen.
Um 16:25 Uhr überqueren wir endlich die Startlinie. Die Masse zieht wie eine Karawane hinaus ins Frankfurter Umland. Schnell wird klar: Die Strecke ist vor allem eines – praktisch. Asphalt, schnurgerade Feldwege, oft parallel zur Autobahn. Offensichtlich so geplant, dass jederzeit eine S-Bahn in der Nähe ist, falls jemand aussteigen will. Romantisch ist anders.

Die ersten 50 Kilometer: Alles läuft

Wir sind schneller als bei unseren Testmärschen. Nach 50 km zeigt die Uhr 9:56 Stunden (Schnitt knapp über 5 km/h). Wir fühlen uns stark und reden uns ein, dass 80 km locker drin sind – vielleicht sogar die 100 km, wenn es so problemlos weitergeht.
An den Verpflegungsstationen herrscht anfangs Chaos. Die erste lassen wir aus, um keine Zeit in der Schlange zu verlieren. Das Wasser reicht bis zur nächsten Station, und je mehr Kilometer wir sammeln, desto kleiner werden die Warteschlangen – viele steigen unterwegs aus.

Kilometer 65: Die Schmerzen schlagen zu

Bei 65 km (nach 13:08 h) beginnt für mich der Kampf. Mehrere Blasen unter beiden Füßen brennen bei jedem Schritt. Ich nehme sogar Ibuprofen 600, was ich normalerweise strikt ablehne – leider ohne spürbare Wirkung.
Mein Bruder kämpft inzwischen mit Rückenschmerzen. Wir beißen uns weiter durch, doch jeder Kilometer fühlt sich länger an als der vorherige.

Der Ausstieg bei Kilometer 72

Nach 14:31 Stunden und 71,7 km ist Schluss. Die Füße schreien, der Rücken meutert. In Offenbach steigen wir in die S-Bahn. Ironischerweise schaffen wir die letzten zwei Kilometer vom Abzweig zur Station fast mühelos – vielleicht, weil die Aussicht auf den Zug uns beflügelt.

Was bleibt

Viele prall gefüllte Blasen, die mich wochenlang begleiten, und eine Gewissheit:
Diese Erfahrung muss ich nicht wiederholen.
Mehrere Monate dauert es, bis meine Füße sich vollständig erholt haben.
Und doch: Es war beeindruckend zu sehen, wie unterschiedlich die Teilnehmer waren – jung, alt, sportlich, unsportlich – und wie viele, die ich innerlich schon „abgehakt“ hatte, am Ende immer noch locker unterwegs waren und die 100 km in unter 24 Stunden gefinsht haben – Respekt.

Datum: 13.10.2018
Distanz: 71,7 km
Zeit: 14:30:58 h
Ø‑Geschw.: 4,9 km/h
Höhenmeter: +447 m
Wetter: bis 27°C, sonnig
Schuhe: feste Wanderschuhe

Michael aka Imi

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