Neustart mit großen Zielen
Nach meiner erfolgreichen Zeit im Figurbodybuilding merkte ich, dass mir etwas fehlte. Körperlich war ich in Topform, aber im zweiten Wettkampfjahr stand ich als einziger Athlet meiner Altersklasse auf der Bühne und wurde konkurrenzlos Deutscher Meister. Das fühlte sich nicht mehr wie ein echter Wettkampf an. Es fehlte der Reiz, die Spannung – die Herausforderung.
Laufen hatte ich nie ganz aufgegeben, doch nun wollte ich es ernsthaft angehen. Radikal sogar: Ein Marathon sollte es sein – einfach so, ohne jahrelange Lauferfahrung auf Wettkampfniveau. Im Herbst 2011 meldete ich mich für den Freiburg-Marathon im April 2012 an. Sechs Monate Zeit zur Vorbereitung – nicht mehr, nicht weniger.
Ich kaufte mir das Marathonbuch von Hubert Beck, eine Garmin-Pulsuhr – und legte los. Mein Selbstvertrauen war groß, vielleicht zu groß. Aber die Fortschritte ließen nicht lange auf sich warten:
- Erster 10-km-Wettkampf (Winter 2011): 50 Minuten
- Erster Halbmarathon (Januar 2012): 1:42 Stunden
Ich merkte trotz der guten Zeiten in den Unterdistanzen schnell: Das wird kein Spaziergang.
Training zwischen Euphorie und Zweifel
Besonders die langen Läufe über 30–35 km forderten mich mental wie körperlich. Manchmal fragte ich mich, ob das nicht doch eine Nummer zu groß ist. Zwei Monate vor dem Marathon kam noch ein Rückschlag: Knieprobleme. Ich probierte alles – Salben, neue Laufschuhe, Physiotherapie – nichts half dauerhaft. Erst kurz vor dem Rennen verschwanden die Schmerzen wie von selbst.
Der große Tag in Freiburg
Gemeinsam mit meiner Frau reiste ich nach Freiburg. Die Strecke war wunderschön – und meine Frau stand an vielen Punkten, klatschte, rief, motivierte. Diese Unterstützung war Gold wert.
Ich lief von Beginn an gleichmäßig und hielt das Tempo. Der Freiburg-Marathon wird parallel zum Halbmarathon ausgetragen – auf derselben Strecke, welche die Marathonläufer zweimal absolvieren. Nach der ersten Runde wurde es einsam: Viele Halbmarathonis waren schon im Ziel, die Strecke wirkte leer. Jetzt war mentale Stärke gefragt.
Kilometer um Kilometer spulte ich ab. Die Beine wurden schwer, doch Aufgeben kam nicht in Frage.
Zieleinlauf
Nach 3:47:58 Stunden überquerte ich die Ziellinie – nur zwei Minuten langsamer als geplant. Ich war überglücklich: Mein erstes großes Laufziel war erreicht. Der Funke für den Ausdauersport war endgültig übergesprungen.
Leider meldeten sich die Knieschmerzen kurz nach dem Marathon zurück. Mein Physiotherapeut erkannte den Grund: Fersenlauf. Mit gezieltem Techniktraining stellte ich auf Mittelfußlauf um – und die Schmerzen verschwanden.
In Zahlen
Distanz: 42,2 km
Höhenmeter (Aufstieg): 202 m
Gesamtzeit: 3:47:58 h
Ø-Pace: 5:22 min/km
Ø-Puls: 163 bpm (≈ 84 % HFmax)
Max-Puls: 174 bpm (≈ 89 % HFmax)
5 Kilometer Splits
| km-Bereich | Pace (min/km) | Ø Puls |
|---|---|---|
| 0–5 | 5:20 | 153 |
| 5–10 | 5:22 | 160 |
| 10–15 | 5:18 | 160 |
| 15–20 | 5:15 | 161 |
| 20–25 | 5:20 | 164 |
| 25–30 | 5:22 | 169 |
| 30–35 | 5:22 | 170 |
| 35–40 | 5:30 | 169 |
| 40–42 | 5:37 | 167 |
Michael aka Imi